Können Tiere lachen?


In dem zoologischen Traktat De partibus animalium bezeichnete Aristoteles das Gelächter als die „differentia specifica“, in seiner Ethik als „proprium“ des Menschen und aus De anima schliesslich stammt die berühmte Formel: „Unter allen Lebewesen ist das Lachen allein dem Menschen eigen.“


Doch stimmt das?


Lange ging man von folgender Geschichte des Lachens aus:


Sieben Mal lachte Gott, als er die Welt schuf, heisst es in einem griechisch-ägyptischen Mythos. Hier könnte die Geschichte des Humors begonnen haben. Wissenschaftlich beweisen lässt sich allerdings nur, dass das Lachen älter ist als der Mensch. Vor etwa acht Millionen Jahren soll es entstanden sein, als sich die Entwicklung von Mensch und Affe trennte, kurz vor dem aufrechten Gang.


Lachen dient eigentlich der Beschwichtigung, auch wenn es uns Menschen Spass macht. Ein Blick auf unsere nächsten Verwandten bestätigt das: Wenn Schimpansen spielen, setzten sie ihr Spielgesicht auf, der Mund ist geöffnet, sie kichern. Damit signalisieren sie ihre Spielbereitschaft und das Fehlen jeglicher Aggression.


So verhält es sich auch bei den Menschen: Mit Hilfe des Lachens konnten sie bereits zu Urzeiten drohende Konflikte in ihrer Gruppe entschärfen und dadurch die Überlebenschancen der eigenen Sippe erhöhen. Eine Aufgabe, die hauptsächlich den Frauen zufiel - der Grund, weshalb auch Frauen heute noch drei Mal häufiger lachen als Männer.


Der Westliche Flachlandgorilla Koko war für seine geschickte Nutzung der Zeichensprache bekannt. Das Weibchen fand es „witzig, wenn ich tollpatschig war“, und gab dann lachende Geräusche von sich, erzählte Penny Patterson, die Präsidentin der Gorilla Foundation.

Die Gorilladame hatte auch ein spezielles „Ho ho“-Lachen für Besucher, die sie besonders mochte, so Patterson.


2009 führte die Psychologin Marina Davila Ross von der britischen Universität Portsmouth Experimente durch, bei denen sie sehr junge und jugendliche Primaten – wie Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen – kitzelte. Die Affen reagierten mit einem Lachen, technisch gesehen eine „kitzelinduzierte Vokalisation“.


Ross, die die Evolution des Lachens erforscht, vermutet, dass wir unsere Fähigkeit zu lachen vom letzten gemeinsamen Vorfahren der Menschen und Menschenaffen geerbt haben, der vor 10 bis 16 Millionen Jahren lebte.


In einer Studie, die in „PLOS ONE“ veröffentlicht wurde, zeigte sie ausserdem, dass Schimpansen „Lachgesichter“ zeigen: Sie lächeln mit gebleckten Zähnen, mit oder ohne tatsächliche Lachäusserungen.


Das deutet darauf hin, „dass Schimpansen auf explizitere und damit vielseitigere Weise kommunizieren können“, als wir dachten, sagt sie. Das ist vergleichbar mit dem stillen Lächeln, das Menschen beim Sprechen oder Lachen zeigen, wobei es in jeder Kombination eine eigene Emotion vermittelt.


Jaak Panskepp, ein Psychologe und Neurowissenschaftler an der Washington State University in Pullman, hat herausgefunden, dass gekitzelte Ratten glückliche Geräusche machen.


Als die Wissenschaftler die Nagetiere kitzelten, gaben die Tiere laut einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie dieselben Zirpgeräusche von sich, die sie auch beim Spielen äussern. (Die Geräusche liegen oberhalb des menschlichen Hörbereichs.)


Einige der Laborratten mochten das Kitzeln so sehr, dass sie der Hand folgten, die sie kitzelte.


Wie Forscher der Universität von Kalifornien in einer neueren Studie zeigen, befinden wir uns aber als Spezies mit Lautäusserungen, die Spiel und Spass signalisieren, in einer verblüffend grossen Gesellschaft. Eine Auswertung bestehender Studien zeigte, dass es mindestens 65 Tierarten gibt, die regelmässig lachen.


Wohl jeder Hundebesitzer, jede Hundebesitzerin kennt diese Vierbeiner-Geste: Die Vorderläufe auf dem Boden, der Kopf abgesenkt, das Hinterteil erhoben, der Schwanz wedelnd. Dazu ein erwartungsvolles Grinsen und vielleicht ein Bellen. Soll heissen: "Spiel mit mir!" Auch bei anderen Spezies sind solche Gesten gut dokumentiert und erforscht. Weniger Aufmerksamkeit dagegen bekamen bislang die Lautäusserungen beim Spiel, wie die Primatologin Sasha Winkler und der Kommunikationsforscher Greg Bryant im Journal Bioacoutics berichten.



Winkler und Bryant durchkämmten die Forschungsliteratur nach Berichten über verschiedenste Lautäusserungen beim Spiel. Und wurden gleich bei mehreren Dutzend Tierarten fündig. Darunter – kaum überraschend – mehrere Primaten, Hunde, Füchse, Seehunde und – schon verblüffender – Hausrinder, Mangusten und drei Vogelspezies, darunter ein Papagei und eine australische Elster. Da es sich nur um eine Auswertung bestehender Forschung handelt und Tiere in freier Wildbahn schwer zu belauschen sind, könnten es weitaus mehr sein, wie die Autoren schreiben.



Tiere können also durchaus lachen :)


Zum Abschluss des heutigen Blogs noch ein Tierwitz:


Geht ein Tier spazieren, trifft es ein ihm unbekanntes anderes Tier.

Fragt es: "Welches Tier bist denn du?"

Das andere: "Ich bin ein Wolfshund, mein Vater ist ein Wolf und meine Mutter ist ein Hund." Verwundert geht das Tier weiter, begegnet es einem ihm noch unbekannteren Tier:

"Was bist du denn für ein Tier?"

"Ich bin ein Muli, mein Vater ist ein Esel und meine Mutter ist ein Pferd."

Ganz verwirrt geht das Tier weiter, trifft es ein ganz komisches Tier.

Fragt es: "Was für ein Tier bist du?"

"Ich bin ein Ameisenbär."

"Nee, nee! Das kannst du mir aber jetzt nicht erzählen!"






14 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Lachen ohne Grund

Falsches Lachen