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Heiliger Franziskus


Franz von Assisi wurde im Jahre 1181 in Assisi als Sohn reicher Tuchhändler geboren. Durch das Vermögen seiner Eltern konnte Franz eine gute Ausbildung geniessen. Zudem genoss er als Jugendlicher das ausschweifende Leben in seiner Stadt.


Als er unterwegs zu einem Kriegszug war, weil er Ritter werden wollte, erschien ihm in einem Traum Gott und sagte: «"Kehre zurück in die Heimat, denn ich will dein Gesicht in geistlicher Weise erfüllen". Franziskus kehrte zurück in seine Heimat.


Franziskus zog sich in der folgenden Zeit zunehmend aus seinem Freundeskreis zurück und suchte die Einsamkeit. 1205 oder 1206 unternahm er eine Wallfahrt nach Rom, auf der er der Legende nach mit einem Bettler die Kleidung tauschte, um das Leben in vollkommener Armut „auszuprobieren“. Sein Verhalten brachte ihn in Konflikt mit seinem Vater, der mit seinem ältesten Sohn grosse Pläne hatte und es nicht duldete, dass er Waren aus seinem Geschäft als Almosen verschenkte.


Beim Gebet in San Damiano, etwa im Sommer 1206, sprach der Überlieferung zufolge Christi Stimme vom Kreuz von San Damiano zu Franziskus:

„Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“


Auf diese Vision hin erbettelte er Baumaterial und begann nach Aussage seiner Biographen die kleine romanische Kirche eigenhändig wiederherzustellen.


Für wohltätige Zwecke und für seine baulichen Wiederherstellungsarbeiten an San Damiano nahm Franz Waren und Geld aus dem Geschäft seiner Eltern. Dies führte zu Streit mit seinem Vater, der schliesslich vor dem Richterstuhl des örtlichen Bischofs einen Prozess gegen seinen Sohn führte. In dieser Gerichtsverhandlung, die im Frühjahr 1207 öffentlich auf dem Domplatz stattfand, entkleidete sich Franziskus vollständig, verzichtete mit dieser Geste auf sein Erbe und sagte sich von seinem Vater los.


Danach zog er sich als Einsiedler zurück, lebte in freiwilliger Armut und pflegte die Aussätzigen.


Dem Einsiedler schlossen sich immer mehr Gefährten an und so entstand der Orden der Franziskaner.


Franziskus soll zudem der erste Mensch gewesen sein, bei dem Stigmata auftraten (die Wundmahle Jesus).


1226 starb er und wurdet bereits 1228 heiliggesprochen.



Doch was hat dies nun alles mit Lachen zu tun?


Zeitgenössische schriftlichen Quellen berichten von dem Neuartigen und Ungewohnten bei den Auftritten des Franziskus: „Er sang auf Französisch vom Herrn, begleitete sich dabei zum Schein selbst mit der Viola, zuweilen nahm er dazu ein Stück Holz von der Erde auf, legte es auf den linken Arm und hielt mit der Rechten einen mit einem Faden gespannten Stab. Den zog er über das Holz wie auf einer Viola und machte dazu passende Gesten und tanzte.“


Dass keine einzige Predigt von ihm erhalten ist, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Franziskus sehr häufig vieles auch wortlos als Zeichenhandlung auf schauspielerische Weise vorführte.


In der Regel handelte es sich dabei um eine inszenierte Performance. Ob er sich vor seinen Zuhörern das Haupt mit Asche bestreuen oder zur Busse nackt über einen Marktplatz führen liess. Immer setzt er dabei seine Anliegen in symbolische Gesten um. So meint Helmut Feld:„Normale Bürger, kirchliche Amtsträger und sogar Mitglieder seines Ordens empfanden manche seiner Handlungen und Äusserungen als überspannt und verrückt.“


Aber vor allem unter seinen ersten Gefährten waren solche Zeichenhandlungen noch völlig selbstverständlich. Für ihn selbst gehörte diese Art der Verkündigung des Evangeliums zu seinem Auftrag.


„Der Herr hat mir gesagt, er wolle, dass ich ein neuer Narr sei in der Welt.“


Mit diesen Darbietungen unterscheiden sich Franziskus und seine Brüder grundsätzlich von anderen Predigern der Armutsbewegungen in der damaligen Zeit. Anton Rotzetter, Dozent an der Hochschule für Franziskaner und Kapuziner in Münster meint dazu:


„Im Gegensatz zu den Waldensern verbreiteten sie nicht eine Weltuntergangsstimmung, keine düstere Gerichtsatmosphäre, keine blosse Gebotsverkündigung. Sie fühlten sich vielmehr als Sänger, als Menschen, die froh sind ob der Schöpfungs- und Erlösungstat Gottes und die anderen diese Freude mitteilen wollen. „Was sind wir Knechte Gottes anderes“, sagt Franziskus, „als umherziehende Sänger und Spielleute, welche die Herzen der Menschen bewegen wollen?“


Franziskus sprach auch mit Tieren. Dies ist jedoch keine komödiantische Einlage, sondern hat einen guten Grund: Franziskus sieht die Welt um sich herum ganz als Schöpfung Gottes. Als solche sieht er in den Vögeln und im Wolf wie in allen Tieren, Pflanzen und in der gesamten Welt Gott als den Urheber der Welt. Mit diesem Gedanken im Hintergrund, kann er nicht anders auf die Geschöpfe zugehen mit dem Wissen um die Verbundenheit mit allem Geschaffenen. Für Franziskus hat alles seinen Ursprung in Gott und steht so miteinander in Beziehung. Der Mensch ist Geschöpf Gottes – mitten unter den anderen Geschöpfen. So freut sich Franziskus an allem, was er um sich herum sieht und fliesst vor Liebe über.



Davon zeugt auch sein wohl bekanntestes Gebet, der Sonnengesang:



Der Sonnengesang


Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.


Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne, welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend mit grossem Glanz: Von dir, Höchster, ein Sinnbild.


Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, klar und kostbar und schön.


Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.


Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.


Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.


Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.


Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.


Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.


Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm und dient ihm mit grosser Demut.



Übrigens:


Der Papst, der sich den Namen des heiligen Franziskus als Namen gewählt hat, Papst Franziskus, greift Übungen auf, die auch im Lachyoga empfohlen werden. So sagte er bei einer Begegnung mit knapp 1.000 Geistlichen in der nordperuanischen Stadt Trujillo am 19. Januar 2018:

"Es tut gut zu wissen, dass wir nicht der Messias sind", sagte der Papst bei dem Treffen im Priesterseminar von Trujillo. Es befreie davon, sich für zu wichtig und zu beschäftigt zu halten. Bekämpfen könne man diese Versuchung unter anderem mit Humor. Eine "schöne spirituelle Prüfung" sei es, sich zu fragen, ob man über sich selbst lachen könne. Dazu könne man sich ruhig mal vor den Spiegel setzen, sich mit Distanz und Witz betrachten und dann lachen, empfahl Franziskus unter dem Beifall und Gelächter seiner Zuhörer.


In einem Interview, das er mit der Zeit führte entgegnete er auf eine Aussage des Journalisten: «Es gibt dieses Gebet, das Thomas Morus zugeschrieben wird, das bete ich jeden Tag: "Herr, schenke mir Sinn für Humor!" Der Herr bewahrt mir meinen Frieden und schenkt mir viel Sinn für Humor. Allerdings bin ich noch nicht so weit wie der wunderbare Pater Kolvenbach, der 25 Jahre lang Generaloberer der Jesuiten war und im vergangenen Jahr gestorben ist. Er konnte über sich und andere herzlich lachen, sogar sich selbst auf den Arm nehmen, doch stets auf konstruktive und positive Art.»





Wie man bei domradio.de am 13. August 2021 lesen konnte erneuerte er seinen Aufruf wie folgt: «Wie traurig ist es, geweihte Männer und Frauen ohne Sinn für Humor zu sehen, die alles so ernst nehmen. Bitte. Das Leben mit Jesus heisst fröhlich zu sein, und es beinhaltet die Fähigkeit, der Heiligkeit diesen Sinn für Humor zu geben» Er warnte auch davor, sich als Ordensgemeinschaft rein auf "das Überleben" zu konzentrieren. Der höchste Ausdruck des Lebens mit Christus seien Freude, Frieden sowie der Sinn für Humor. Hierfür sei ein interkultureller Glaube wichtig.


Hier noch das von Papst Franziskus erwähnte Gebet von Sir Thomas More (Thomas Morus) in voller Länge:





Gebet um Humor Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, Und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut und rein ist, damit sie sich nicht einschüchtern lässt vom Bösen, sondern Mittel findet, die Dinge in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.







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