• Heyoka

Die Tiger und die Erdbeere


Im Zen gibt es eine alte Geschichte, die wie folgt geht:



Es war einmal…


Vor langer Zeit ging ein Mann durch einen Wald, als er bemerkte, dass er von einem Tiger beobachtet wurde.



Als der Mann zu rennen begann, hörte er, wie der Tiger aufsprang, um ihn zu verfolgen.


Während unser Mann für sein Leben rannte und nur knapp vor dem Tiger war, kam er an den Rand einer steilen Klippe, eines senkrechten Abgrunds.



Gerade noch rechtzeitig, bevor der Tiger nach ihm springen wollte, hielt er sich an einer Liliane fest und kletterte an ihr über die Klippe hinab.





Als der Mann so an der Liliane in der Mitte der Klippe hing und den brüllenden hungrigen Tiger über sich hörte, schaute er nach unten und bemerkte unter sich einen anderen Tiger, der schon auf in wartete.



Gerade als er das bemerkte kam eine kleine Maus aus ihrer winzigen Höhle in der Klippe und fing an, an der Liliane zu knappern.



In diesem Moment bemerkte der Mann in der Nähe auf einer winzigen erdigen Stelle in der Klippe einen kleinen Erdbeerstrauch. Er streckte sich nach den Erdbeeren und nahm sich eine. Sie war perfekt gereift und warm vom Sonnenschein.



Er nahm die Erdbeere in seinen Mund.


Sie war extrem lecker.


Ende


Die meisten von uns mögen diese Geschichte nicht. Sogar Zen-Schüler hadern manchmal mit deren Bedeutung.


Vor allem in Gesellschaften, die wie unsere stark von Hollywood beeinflusst sind, möchte man in einer Geschichte immer ein Happy End. Wir wollen, dass zum Beispiel die Maus zu sprechen beginnt und den Mann auf magische Weise retten kann. Oder dass die Erdbeere den Mann in einen Vogel verwandelt, der wegfliegen kann.


Das wären dann aber Märchen, die uns so nicht wirklich weiterhelfen (obwohl in den richtigen Märchen auch viel Bedeutung stecken kann).


Wir wissen, was mit dem Mann passiert. Auch wenn die Geschichte nicht zu Ende erzählt wird.


Er stirbt.


Dass wir hier auf Erden sind ist ein Wunder. Dieses Wunder und die Tatsache, dass wir alle nur für einen kurzen Moment hier auf Erden sein werden, sogar wenn wir steinalt werden, sollte uns lernen, den jeweiligen Moment immer möglichst gut zu geniessen.


Wir können die Klippe und die Tiger nicht für immer loswerden. Und die Maus symbolisiert den Sand in der Sanduhr, der unsere übriggebliebene Lebenszeit symbolisiert. Die einzige Wahl, die wir wirklich haben, ist, ob wir die Erdbeere wahrnehmen, essen und geniessen. Denn wir werden sowieso vom Tiger gegessen, ob wir die Erdbeere nun geniessen oder nicht.


Diese Tatsache vergessen wir oft. Wir sind durch Zukunftssorgen und vor allem durch Jammern über die harten Zeiten in unserer Vergangenheit zu sehr beschäftigt.


Uns all diese Sorgen zu machen und uns über alles zu ärgern kann uns davon abhalten, den gegenwärtigen Moment bis aufs Vollste auszukosten. Und dabei ist das das Einzige, was wir in unserem Leben auf sicher haben.


Wie kann man nun lernen, dies besser zu machen?


Die Geschichte ist eine Zen-Geschichte. Du kannst dies also durch regelmässiges Zazen (Sitzmeditation des Zen) sicherlich sehr gut erlernen.




Möchtest du es unmittlelbar erfahren? Dann kann ich dir Lachyoga und Feuerlaufen empfehlen. Dort kommst du unmittelbar in den Genuss des gegenwärtigen Moments.





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