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Appenzeller Witzweg




Regula und ich verbrachten 2 wundervolle Nächte und Tage in der Zweisiedlerlodge beim Aescher. Es ist einfach fantastisch, an diesem speziellen Ort auch über Nacht bleiben zu können. Am Ankunftstag hatten wir gute Sicht. Am zweiten Tag war eigentlich dasselbe Wetter gemeldet und ich wollte Regi den wunderschönen Seealpsee mit dem Bergpanorama im Hintergrund zeigen. Jedoch tauchte der Nebel alles in ein mythisches Weiss und vom Bergpanorama war nichts mehr zu sehen. Trotzdem war es genial in der Zweisiedlerlodge. Man kommt da relativ einfach hin, muss zwar von der Bergstation der Gondelbahn noch etwa 20 Minuten gehen - jedoch ist dieser Spaziergang unter anderem durch eine Höhle und am Wildkirchli vorbei und wunderschön. Und dennoch ist man da oben weg von allem, muss nicht lange fliegen und ist trotzdem in einer anderen Welt, besonders am Abend, wenn die letzte Bahn gefahren ist und die Turnschuhtouristen weg sind.





Am Abreisetag wollten wir beide, da wir beide Lachyoga-Leiter/-innen sind, noch den Witzweg besuchen. Ich erwartete da einen typischen Themenweg. Diese glänzen meines Erachtens zwar oft durch die Themen, aber nicht unbedingt durch die Wege und die Landschaft...


Etwas stutzig machte mich diesbezüglich jedoch, dass Appenzellerland Tourismus zusammen mit dem Witzweg eine Erlebnisrundfahrt anpreist. Man kann dann z.B. in Rheineck starten. Von Rheineck bis Rorschach nimmt man das Schiff. Von Rorschach nach Heiden fährt dann die Zahnradbahn. Weiter geht es zu Fuss von Heiden bis Walzenhausen auf dem Witzweg und mit einer weiteren Zahnradbahn wieder runter nach Rheineck.


Soweit zumindest die Theorie ;)


Wir kamen in Rheineck an. Ich wusste schon, dass das Schiff im September nur noch am Wochenende fuhr. Wir nahmen also stattdessen den Zug nach Rorschach.


In Rorschach suchte ich dann etwas verzweifelt nach der Zahnradbahn. Ich stellte mir einen Bahnhof neben dem Bahnhof für die Bergbahn vor - so wie man das von der Pilatus- oder der Brienzer Rothorn-Bahn her kennt. Nach einigem Suchen und fast verzweifelt stellte ich fest, dass die Bahn auf Gleis 2 abfuhr und aussah wie eine gewöhnliche S-Bahn. Schon nach kurzer Fahrt wurde dann jedoch das Zahnrad benutzt und wir fuhren durch eine schöne Landschaft mit guter Sicht auf den Bodensee. Oben angekommen sahen wir dann auch eine etwas ältere Bahn, die etwas mehr meinen Vorstellungen einer Bergbahn entsprochen hätte.



Auch erfuhr ich da, angeschrieben am Bahnhofsschild, dass Heiden ein Luftkurort ist und 800 Meter über Meer liegt.


Gleich im Bahnhof stand auch eine Witzchistä:



Erst mal wussten wir mit dieser nichts anzufangen. Dann gingen wir in die Kiste rein und sahen, dass man da noch weiter (in eine zweite Kammer) reingehen kann. Da es ja eine Witzkiste war, musste hier doch irgendwie gelacht werden können. Ich ging also in diese Kammer und da ich keinen Witz sah, lachte ich (wie ich es aus dem Lachyoga gewohnt bin) ohne Grund. Dass man eigentlich in der ersten Kammer eine Münze einwerfen könnte und dann ein Projektor und zwei Lautsprecher einen Witz erzählen würden, sahen wir erst, als ich schon ohne Grund gelacht hatte. Aber wir hatten eh kein Münz mehr dabei, da wir dies schon früher am Tag für Parkgebühren etc. gebraucht hatten.



Gleich neben dem Bahnhof stiessen wir dann auf den ersten Wegweiser von Wanderland Schweiz. Es ist die Route 977: Witzweg. Wie wir später feststellen durften, wird man durchgängig perfekt mit dieser Beschilderung dem Weg entlang geleitet.



Dann tauchten auch schon die ersten Witztafeln auf. Auf dem ganzen Weg waren einige solche Witze angebracht. Ich habe eine Auswahl davon fotografiert und werde sie hier zeigen. Diese sprechen für sich, weshalb ich sie nicht weiter kommentieren werde.







Zwischendurch gab es auch manchmal vermeintliche Witztafeln, welche Information enthielten. So z.B. dass man nun noch so und so lange bis zum Ziel habe oder dass man die Hälfte der Strecke erreicht habe. Eine informierte uns darüber, dass es für den Ursprung des Appenzeller Witzes zwei Annahmen geben würde:

  1. In der Zeit vor den Appenzeller Kriegen im 15. Jahrhundert wehrte man sich zuerst einmal verbal gegen die Begehrlichkeiten des St. Galler Abts. Das tat man offensichtlich oft auf eine witzige und freche Art. Erst später griff man zu den Waffen.

  2. Die wahrscheinlichere Annahme: Der Tourismus machte den Witz der Appenzeller bekannt. 1798 schrieb Johann Gottfried Eben das Buch "Schilderung der Gebirgsvölker der Schweiz". Darin rühmt er die Appenzeller als sangesfrohe, witzige und fröhliche Leute. Er zitiert in diesem Text erstmals Witze. Das Buch wurde in Deutschland damals wie ein heutiger Hochglanzprospekt verschlungen. Mit seinem Buch hat Eben einen eigentlichen Appenzeller-Boom ausgelöst.

Bald schon tat sich auch eine wunderbare Sicht auf den Bodensee auf. Das Wetter war auch viel besser als noch am Vortag im Nebel und auch viel besser, als der gemeldete Regen. Wir genossen diesen wundervollen Frühherbsttag.



Auch die Wanderung in den Dörfern war sehr schön. Wir bestaunten die Appenzellerhäuser und an einem Ort konnten wir uns sogar im Klettern versuchen.



Dass der Witzweg teilweise identisch ist mit dem Friedensstationen-Weg, ist wohl eher ein Zufall. Uns erstaunte dies jedoch wenig, da Lachen sehr viel mit Frieden zu tun hat. So lacht man z.B. am Weltlachtag im Lachyoga für den Frieden. Und wer gerade am Lachen ist, der greift wohl auch nicht gleichzeitig an..



Nachdem wir die schöne Aussicht geniessen konnten, kamen wir auch in einen schönen Wald und mein Vorurteil gegenüber Themenwegen, dass diese nie auf schönen Wegen verlaufen würden, löste sich vollends in Luft auf.







Dann jedoch kam der Moment, der mein Vorurteil auf den ersten Blick bestätigen sollte: wir waren für einige Zeit auf einem schmalen und asphaltierten Strässchen unterwegs. Allerdings kamen da nur sehr wenige Autos.


Auf diesem Strässchen kamen wir nach Sonder, das wohl auf den Chistepass liegt. Da bog der Weg zum Lachen rechts ab, während der Witzweg weiter nach vorne strebte...



Auch der Wirt des Restaurants Harmonie in Sonder fand den Witzweg wohl sonderlich und hatte deshalb sowohl nichts mehr zum Lachen als auch völlig die Harmonie mit den Witzwanderinnen und Witzwanderer verloren. Mit einem Schild machte er darauf aufmerksam, dass man nichts auf seinem Restaurantareal verloren hätte und das Restaurant nur auf Reservation geöffnet habe. Auch war das Gebiet des Restaurants (wenn auch etwas notdürftig) mit einer gelben Schnur abgesperrt.



Wir liessen uns dadurch die Harmonie des Tages nicht nehmen, wanderten weiter, genossen nun wieder ausserhalb des Waldes die fantastische Aussicht und die Begegnung mit Tieren. Und natürlich auch immer wieder die Appenzeller Witze.









Eine Tafel informierte uns dann wieder, dass die Witze auf dem Witzweg allesamt von Ruedi Rohner (1923-2009) stammen würden. Ruedi Rohners besondere Anliegen waren: Pflege und Erhaltung der appenzellerischen Eigenart in Sprache, Lied, Volkstanz und im guten Appenzeller Witz. Pflege und Erhalt der schönen Landschaft. In ungezählten Appenzellerabenden unterhielt er seine Zuhörer köstlich, immer unter dem Motto: Wer die Menschen zum Lachen bringt, macht sie schon halb glücklich.


Das finde ich ein sehr schönes Motto. Und wir habe dies uns auch bei unserem Lachyoga auf die Fahne geschrieben.


Ähnlich dachte wohl auch ein Appenzeller Bauer. Dieser bot an einer Stelle mit einer wunderbaren Aussicht Getränke und Studentenschnitten an. So pflegt man Gastfreundschaft. :) Vielen Dank! So hätte wohl auch der Wirt des Restaurants Harmonie eher wieder zum Lachen und zur Harmonie mit den Witzwanderern gefunden und eventuell sogar etwas Werbung für sein Restaurant machen können... Wir liessen uns das jedenfalls nicht zwei Mal sagen und setzten uns dort hin, genossen die Sicht, die Studentenschnitten und die Getränke.






Nach der Rast wanderten wir weiter zum Ziel des Witzweges nach Walzenhausen.





In Walzenhausen wollten wir eigentlich die Zahnradbahn zurück nach Rheineck besteigen, um so unsere Rundtour abzuschliessen. Nur war diese gerade aufgrund eines Fahrzeugdefekts nicht in Betrieb. So bestiegen wir den Ersatzbus, welcher mit atemberaubender Geschwindigkeit ins Tal fuhr und uns so zum Abschluss der Runde noch etwas Silver-Star-Feeling in den Appenzeller Hügeln verschaffte. Adrenalin pur!


Fazit: Im Lachyoga lacht man ja ohne Grund. Man kann auch mal mit Grund lachen :) Der Witzweg ist sehr empfehlenswert. Die Witze, der Weg und die Landschaft machen aus diesem Weg ein sehr schönes Erlebnis.








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